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Wissen ersetzt keine Augen

Ich wohne unter der Woche in Hamburg, da ich dort meine Ausbildung bestreite. Am Wochenende fahre ich allerdings gern in mein Heimatdorf zu Freunden. Vor einigen Monaten ergab es sich, dass mich eine Freundin aus meiner Heimat an den Freitagen mitnehmen konnte, da sie auch wegen eines Praktikums in Hamburg war.

Ich muss an dieser Stelle sagen, dass sie eigentlich eine sehr gute Fahrerin ist, ich bin schon oft bei ihr mitgefahren, und sie hat mich eigentlich immer heil nach Hause gebracht. Aber auch sie ist nur eine Frau, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis das Unvermeidliche geschah.

Es begab sich also, dass wir nach etwa einstündiger Fahrt 5 Kilometer vor unserem Heimatort waren. Und wie das so ist, wenn man jung ist, möchte man am Wochenende natürlich auch etwas mit seinen Freunden unternehmen. Bis hierhin alles noch in Ordnung.

Wir fahren aus einer Ortschaft heraus, und sie beschleunigt ihren Golf auf einer Geraden auf gute 110 km/h, als sie plötzlich ihr Handy zückt. Sie telefoniert immer vorschriftsmäßig über die Freisprechanlage, deshalb denke ich mir nichts weiter. Wir sind übrigens immer noch auf der Geraden, und es ist weit und breit kein anderes Fahrzeug zu sehen. Das einzige Auffällige in Sichtweite ist eine scharfe Linkskurve (erlaubte Geschwindigkeit an dieser Stelle: 60 km/h), die aufgrund der flachen Landschaft schon sehr weit vorher zu sehen ist. Ich brauche nicht erwähnen, dass sie diese Strecke in- uns auswendig kennt, sie wohnt ja in dieser Gegend.

Aber anscheinend lässt sie das übermütig werden, denn anders kann ich mir folgendes nicht erklären. Ca. 500 Meter vor der Kurve beginnt sie plötzlich nach unten zwischen ihre Beine zu sehen und auf ihrem Handy eine SMS zu verfassen. Die Geschwindigkeit bleibt natürlich unverändert. An das Gute im Menschen glaubend und ihre eigentlichen guten Fahrkünste kennend, denke ich mir, sie wird ja sicher gleich wieder aufschauen, um angemessen auf diese Kurve zu reagieren. FALSCH!!!

Als wir ca. 200 Meter vor der Kurve immer noch mit guten 100 km/h auf diese Kurve zurasen, blieb mir nichts anderes übrig, als sie mit einem dezenten "KURVE!" auf die nahende Gefahr hinzuweisen. Es ist nun anzunehmen, dass sie nach vorne guckt, die Kurve sieht, abbremst und einlenkt. Wieder falsch! Ihr erster (wütender) Blick geht wohin? Natürlich, zu mir. Ich sah uns schon mit 100 Sachen über den Acker schießen, als sie sich dann doch entschloß links einzulenken, natürlich ohne abzubremsen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass es nicht möglich ist, diese Kurve mit einer Geschwindigkeit über 80 km/h zu befahren. Wie sie es geschafft hat, weiß ich nicht. Vielleicht ist die Straßenlage ihres Golf doch besser als erwartet oder der liebe Gott hatte einfach keine Lust auf eine weitere weibliche Unfallverursacherin.

Doch der eigentliche Hammer kam erst NACH der Kurve. Völlig entsetzt guckt sie mich an (wir fahren immer noch 100 km/h, aber diesmal auf gerader Strecke) und geift mich an, warum ich sie so erschrecken muss. Sie hätte doch gewusst, dass da eine Kurve ist. Ich habe mir dann verkniffen ihr zu erklären, dass das Wissen, dass eine Kurve kommt, nicht ausreicht diese auch blind mit überhöhter Geschwindigkeit zu durchfahren.

Den Empfänger der SMS (sie hat danach natürlich fertig geschrieben, trotz meiner massiven Proteste und Angebote sie mich schreiben zu lassen) haben wir dann übrigens gleich bei erreichen unseres Heimatortes besucht, ca. 10 Minuten nach der Kurve. Anstatt also einfach 10 Minuten zu warten, hat sie lieber um ein Haar ihren schönen Golf als Pflug umfunktioniert. Besagter Empfänger war übrigens eine Empfängerin, die sich natürlich gleich brühwarm erklären ließ, was ich doch für ein unverantwortlicher Beifahrer bin.

Tja Frau am Steuer eben.

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