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Ein Frontalcrash-Bericht

Es war um 2004 herum. Mein alter Golf 2 war schon etwas betagt, aber gut in Schuß.

Ich fahre in der Mittagspause über eine Kreuzung. 100m vorne rechts befindet sich ein größerer Parkplatz. Der Gegenverkehr hat dafür eine extra Abbiegespur. Ich bin gerade 30km/h schnell, beschleunige (die Ampel war vorher rot), als ein PKW auf der Abbiegespur hält. Die Dame am Steuer will auf den Parkplatz, dafür muss sie meine Spur kreuzen. Sie sieht nach vorne, sieht mich, hält. Ich gebe weiter Gas. Die Dame fährt einen halben Meter vor, ich gehe vom Gas. Sie hält und blickt nochmals zu mir.

Ich denke: Alles klar, sie hat bemerkt, dass sie es so nicht schafft und gebe wieder Gas. Als ich etwa 5-6 Autolängen von ihr entfernt bin - und gerade 50km/h schnell geworden bin - dreht sie plötzlich den Kopf stark nach links (Schulterblick), bleibt in dieser Position, schlägt das Lenkrad voll nach links ein und fährt langsam los.

Ich hatte die Wahl: Nach rechts auf den Bürgersteig und den Wagen rammen, der gerade den Parkplatz verlassen wollte, nach links in den Gegenverkehr oder frontal rein. Ich habe eine Vollbremsung hingelegt, geschafft, dass es den wagen nicht verreißt (die Straße war nicht die beste und stark gewölbt) und es noch hinbekommen, auf den letzten paar Metern zu hupen. Als meine Front noch ca. 2-3m von ihrem wagen entfernt war, hat sie das Geräusch endlich wahrgenommen. Ich werde die Mondkalbaugen nie vergessen, mit denen sie mich total ungläubig, 100% überrascht angestarrt hat "Huch, wo kommt der auf einmal her, was ist das für einer, hoppla, was macht der auf meiner Straße" stand da geschrieben.

ABSOLUTE ÜBERRASCHUNG! Dass wir nur Sekunden vorher Augenkontakt hatten, als sie leicht vorgerollt war und dann wieder stehenblieb, schien sie komplett vergessen zu haben.

Ich sollte erwähnen, dass mein Wagen kein ABS hatte. Mit 40km/h und einem BMW oder ähnlichem hätte ich es wohl noch gerade so geschafft, vielleicht ein paar Kratzer. So bin ich mit fast 30km/h frontal in ihren Wagen gekracht - ihre rechte Front, mein Kühler. Der Aufprall war derart heftig, dass sich mein Lenkrad bis zu den Armaturen zurück gebogen hatte - Photos habe ich irgendwo verbummelt, der Polizist war später aber auch beeindruckt. Mir taten tagelang die Schultern weh.

Mein Golf war danach Schrott. Der sechs Wochen alte Audi A6 ihres Mannes, den sie gerade aus der Werkstatt abgeholt hatte, sah aber auch nicht sonderlich gut aus. Wieso sie losgefahren war, obwohl sie mich gesehen hatte und wieso sie das auch noch mit beibehaltenem Schulterblick getan hatte, konnte sie uns (Polizei und mir) auch nicht erklären. Sie war total durch den Wind. Ihrem Mann, einem Doktor soundso war das auch sichtlich peinlich, jedenfalls klang er so am Telefon. Wie auch immer, der Schaden war in Rekordzeit geregelt. Seither fahre ich einen Fiesta. Um meinen Golf trauere ich heute noch.

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