Ein Micra auf Bergtour ...

Einmal die Woche führt es mich die Harzhochstraße Richtung Seesen den Harz herunter. Immer mal wieder hat man dabei mit ortsfremden Fahrern, auch Touristen mit Wohnwagen und Campinganhängern, zu tun, die mit der kurvigen und mitunter etwas unübersichtlichen Strecke weniger Erfahrung haben und dementsprechend langsam und vorsichtig fahren. Doch meistens nutzen diese die zahlreichen Parkplätze und Buchten, um die "Einheimischen" von Zeit zu Zeit vorbeizulassen.

Letztens jedoch ließ mich ein roter Nissan Micra trotz ortsnahem Kennzeichen (OHA) zum ersten Mal seit langem den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Ich habe, wie gesagt, kein Problem damit, wenn jemand langsam fährt, doch dieser Micra war schlicht unberechenbar. Und ich war ausgerechnet der erste, der ihn kurz nach Clausthal-Zellerfeld einholte.

Bei jedem bisschen Gegenverkehr wurde stark abgebremst und an den rechten Fahrbahnrand gequescht, wohl als Ausgleich dazu donnerte er dann mit 10 km/h über dem Limit in einige der unübersichtlichen 90 Grad Kurven, wobei man die Kurve mittig oder auf der Gegenfahrbahn verließ oder mittendrin in die Eisen stieg.

Man hatte ein wenig das Gefühl, der oder die Fahrzeugführer/in kennt nur eine Gasfußstellung, da der Nissan an Steigungen auf 50 km/h zurückfiel, nur um nach einer Kuppe davonzuschiessen. Letztendlich summierten sich die Geschwindigkeiten trotzdem nur auf ca. 70 km/h, und die Schlange der Fahrzeuge, die im Rückspiegel mein Schicksal teilten (Pkw, Sprinter und ein Schulbus) wurde immer länger. Doch ein Überholen erlaubten meine 50 PS und der Gegenverkehr leider nicht. Also wachsam und mit großem Abstand hinterherfahren.

Als sich die Strecke nach 25 Minuten Fahrt endlich der Auffahrt der zweispurigen B 243 näherte und ich den Micra in meinen Träumen dort bereits überholt hatte, wurde ich durch das Aufblitzen seiner Bremslichter in die Realität zurückgeholt. Der Fahrzeugführer brachte den Wagen komplett zum Stehen, und bevor er, nicht ohne weit auf die Gegenfahrbahn auszuholen, in die Ausfahrt des gerade passierten Parkplatzes einbog, konnte ich die FahrerIN erkennen.

Etwa 60 Jahre alt, mit ausladener Frisur und knalligen Klamotten, und zu meinem Entsetzen mit aufgeklapptem Schminkspiegel. Ich brauchte an der nächsten Tanke erstmal einen Kaffee.

Wie findest Du diesen Bericht?